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”Summer Dreams” 03
 

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Einige Tage später stand Leo im Tanzraum und wartete. Rheed hatte Heute seine erste Einzelstunde im Tanzen. Es war so gewesen, daß Rheed seinen Vater gefragt hatte, sein Vater sah bei einer Tanzstunde zu und das hatte ihn scheinbar überzeugt. Der Junge machte in den letzten Tagen wirklich große Fortschritte und so würde der Einzelunterricht auch Spaß machen.

Ein wenig später kam Rheed auch in dem Tanzraum an und blieb unsicher in der Türe stehen ... dann gab er sich einen sichtlichen Ruck und trat ein, kam zu dem ein wenig Älteren und murmelte ein kaum verständliches "Bin da.". Er bemerkte sehr wohl, daß Leo Heute legerer gekleidet war – und er sah nur zu gut, wie gut der Brasilianer in der schlichten Jeans und dem Muskelshirt aussah.

"Das sehe ich." erwiderte Leo und lächelte. Er konnte einen leicht dunklen Schatten durch den Haarvorhang erkennen, hob die Hand und schob die Haare zurück. "Zuerst bindest du dir mal die Haare zusammen. Hier ist außer mir Keiner, vor dem du dich verstecken musst."

'Und gerade vor dir muß ich mich verstecken ...' Doch die leisen Gedanken konnte Niemand hören und so grummelte Rheed nur leise, holte aus seiner Hosentasche einen Haargummi heraus und band sich die Haare unterhalb des Nackens locker zusammen. "Und jetzt ? Was machen wir ?" Er konnte nicht so ganz glauben, daß Leo einfach eine Platte auflegte und ihm die Tänze beibrachte, die sie nicht im Kurs lernten ...

Doch genau das war der Plan, auch wenn man es nicht meinen konnte, er tat etwas für sein Geld. "Na tanzen, was dachtest du denn ?" lachte Leonardo und er ging zum Plattenspieler, um einen flotteren Tanz aufzulegen. Als die Musik anlief, bewegte er die Hüften im Takt und tanzte auf den Jüngeren zu. "Ist das eher dein Geschmack ?"

Allein schon die Musik des Marengo ging unter die Haut, doch die schon fast aufreizenden Hüftbewegungen Leonardos waren Sünde pur. Schwer schluckend, nickte Rheed nur und blickte wie gebannt auf den Größeren, ehe er den Kopf leicht abwandte und sich räusperte. "Ich kenne die Musik – ich höre sie oft in unserer Disco. Das, und Twist und Rock'n'Roll ..."

"Merengo wird bei euch in der Disco getanzt ?" Leo hob etwas überrascht eine Braue, es war wirklich nicht gerade üblich. "Wird er da auch richtig getanzt ?" fragte er leise und bewegte sich noch weiter auf Rheed zu.

Es wurde für Rheed zunehmend schwieriger, seine Teenagerhormone einigermaßen in den Griff zu bekommen und so nickte er nur, riß sich zusammen und antwortete ihm, während er ihm unruhig entgegensah. "Nicht in den öffentlichen Discos – aber es gibt in meiner Stadt eine Disco, die nicht bekannt ist, dort spielen sie alles, das die Spießer verbieten." Normalerweise würde der Goldhaarige nichts davon sagen, doch er ahnte, daß Leo es nicht weitersagen würde, schließlich war er selber ein Underdog, der sich hier nur Geld verdiente.

"Und du gehst in diesen Club ?" fragte Leo und stoppte seinen Tanz. "Ich kenne die verbotenen Tänze ... möchtest du sie lernen ?" Er kam dichter und sah zu dem Kleineren hinab. Es war recht amüsant, daß Rheed so einen Club kannte, er hatte es ihm nicht zugetraut.

Genau das hatte sich der Goldhaarige schon gedacht und so schnaubte er leise und verengte kurz die Augen, als er die Hände in die Seiten stemmte. "Hättest mir nicht zugetraut, Hm ? Und klar will ich sie lernen – wieso denkst du, daß ich hier bin, Großer ?" Daß es vielleicht auch deshalb war, weil er ihm langsam verfiel, sagte er jedoch nicht, denn er wußte genau, daß Leo ihn deshalb nur aufziehen würde.

Leo lächelte und nickte. Die Antwort gefiel ihm und so ging er zum Plattenspieler und legte eine andere Platte auf, die deutlich mehr Pepp hatte. "Dann zeig doch mal, was du schon drauf hast." Er wollte erst sehen, wie weit Rheed war, bevor er anfing.

Die Musik ging wirklich unter die Haut und es juckte den jungen Blauen, zu tanzen ... doch er wußte nicht, wie, auch wenn er in der Disco schon oft die Anderen beobachtet hatte. "Nichts – ich hab ihnen zwar zugesehen, aber mich nicht getraut. Hab schon genug Spötter an mir kleben, da muß ich mich nicht auch noch lächerlich machen. Zeigst dus mir ?" Es kostete Rheed ziemlich Überwindung, doch er bat ihn, da er endlich mittanzen wollte.

"Okay, das wollte ich nur wissen. Also wie weit du bist. Wir fangen ganz von vorne an." wisperte Leo und er holte den Kleineren in die Mitte des Raumes. "Schließ die Augen, fühl die Musik und dann bewegst du dich, ich will sehen, wie weit dir die Musik unter die Haut geht. Und tu dir keinen Zwang an, Keiner gafft, Keiner lästert, die Tür ist zu und Keiner kann in die Fenster kucken."

"Ich weiß ... sie sind alle beim Grillen." Es fiel Rheed sichtlich schwer, sich gehen zu lassen – doch dann seufzte er leise und schloß die Augen, horchte auf die Musik und zögerte, ehe er sich einfach entspannte und damit begann, sich leicht in der Musik zu bewegen. Es war nicht viel, nur ein leichtes Wiegen seines Körpers ... doch es war im Takt und zeigte ebenso wie die weichen Bewegungen, daß er sehr wohl tanzen könnte, wenn er die Schritte wüßte.

Derweil schritt Leonard leise um ihn herum und nickte zufrieden. Die Bewegungen waren sehr weich und taktvoll, Rheed hatte wirklich gute Anlagen. "Fein ... dann die Schritte, sieh mir zu." Er wisperte und wartete einen Moment, bis Rheed aufpasste, und machte dann eine der einfachen Bewegungen. "Versuch, sie nachzumachen."

Der Jüngere nickte nur und versuchte es – anfangs holperte es noch, doch er bekam langsam ein Gefühl und lächelte kurz, als er es schließlich schaffte, die Schritte im Takt zu tanzen und dabei weich in den Bewegungen zu bleiben. "Hoffentlich wird es nicht allzu schwierig ... ich habe Probleme, mir die Abfolgen zu merken." Das kleine Geständnis kostete Rheed sehr viel Überwindung, doch er konnte sich denken, daß es Leo vielleicht helfen konnte, ihm das Tanzen besser beizubringen.

"Die lernst du ganz schnell ... und jede Bewegung ist ein Flirten, ein Anmachen." Bei seinen Worten tanzte er genau die Bewegung, nur tat er es dicht vor dem Kleineren und er berührte ihn fast, es war nur ein Hauch an Nichts zwischen ihnen. "Verstehst du, was ich meine ?" Er rückte wieder ein Stück weg und tanzte eine andere leichte Schrittfolge, es waren die Schritte und Bewegungen, die folgten.

Ein wenig schwerer atmend, nickte der Goldhaarige und probierte noch einmal die Schritte – dann setzte er die nächsten Schritte an und lächelte, als es klappte und er auch in der Musik blieb. Er sah und fühlte mehr als nur gut, daß dieser Tanz leidenschaftlich und feurig war ... ein jedes Mal, wenn Leo ihm näherkam, fühlte Rheed sein Blut heißer und schneller durch die Adern pulsen und er hatte gut damit zu tun, seine Hormone im Zaum zu halten. So gut, daß er schließlich die Schrittfolge verhaspelte und leise fluchte.

Leo erkannte, warum das passierte, und grinste kurz. "Halte dein Feuer etwas zurück, Kleiner." Er sagte nichts, wahrscheinlich wäre der Jüngere sonst wieder geflüchtet. "Feuer ist gut, aber zuviel ist nicht gut, du musst ein gesundes Mittelmaß finden."

"Wenn ich das könnte, hätte ich nicht soviel Probleme ! Oder warum glaubst du, bin ich so ? Ich kann mein Temperament nicht ausleben, nicht so, das wirkt nur lächerlich. Also schlucke ich es – aber das hier ist anders, das kenne ich nicht, verdammt – und nenn mich nicht Kleiner !" Erneut flammte ein wenig der stetig glimmenden Wut Rheeds auf ... es stimmte, er wußte nicht, wie er auf diese Situation reagieren sollte, denn bisher war ihm das nur bei den Footballern passiert und da konnte er weggehen, um sich zu beruhigen.

"Okay, schon gut, Rheed ... du willst dein Feuer rauslassen ? Dann tu es jetzt, tanz, wie du dich fühlst und lass alles raus, egal, ob die Schritte stimmen oder nicht." Das meinte Leondaro wirklich ernst. "Und danach machen wir normal weiter, Okay ?"

Völlig entsetzt riß Rheed die Augen auf und wich einen Schritt zurück – er sollte ... was ...? "Sag mal, spinnst du ?! Das ... ich ... das kann ich nicht !" Rheed wich noch weiter zurück und sein Entsetzen wandelte sich sofort in Wut – dieses Gefühl kannte der Jüngere und er drehte sich um, schlug ansatzlos mit seiner geballten Rechten in die Bungalowwand und keuchte schwer, schlug erneut dagegen und stützte sich dann gehetzt atmend mit der gesunden Hand daran ab, da es einfach zuviel für ihn wurde.

"Bist du irre ?!" Leo kam sofort zu ihm und drehte ihn zu sich um. "Da verstümmelst du dich lieber selbst, statt deinen Frust oder dein Feuer rauszutanzen ? Das muss dir nicht peinlich sein, ich mache das auch, es tut gut, sich so zu verausgaben und tut nicht so weh." Er hob die angeschrammte Hand des Jungen und musterte den blutigen Knöchel. "Toll gemacht, du kleines Genie." murmelnd, leckte er das Blut ab, zog dann ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und wickelte es ihm um die Hand.

In Rheed herrschte ein völliges Chaos ... die Wut, die er so gut kannte, vermischte sich mit dem pochenden Schmerz der verletzten Knöchel, der Scham, die durch die Worte Leos geweckt wurden und dem sachten Schauern, das über seinen Rücken rieselte, als er das sanfte Lecken fühlte. Das und die ebenso sanften Hände, die sich um ihn kümmerten, waren so ungewohnt, daß aus dem Schauern ein fühlbares Zittern wurde. Frustriert und beschämt drehte der Goldhaarige den Kopf wieder zur Seite, verfluchte das Haarband, das ihm die Möglichkeit, sich zu verstecken, nahm und wisperte schließlich ein leises "Ich hab nie gelernt, wie.", das fast zu leise war, um gehört zu werden.

Aber Leo hörte es und seufzte leise. "Spießerärsche." Er meinte die Eltern von Rheed, dann ging er zum Plattenspieler und ließ die Platte nochmal abspielen. "Keiner lacht dich aus ... tanz einfach. Ich mache mit ... vergiss die Schritte, beweg dich einfach, ohne nachzudenken." Kaum waren seine Worte beendet, fing er an zu tanzen, es waren keine festgelegten Bewegungen, er tanzte einfach und dabei kam er lockend auf den Jüngeren zu. "Komm schon, das muss dir nicht peinlich sein, lass es raus."

Der Jüngere zögerte noch, ehe er schwer schluckte ... es sah so natürlich und einfach aus, und selbst er konnte sehen, daß Leo keine festgelegten Schrittfolgen tanzte. Die Musik ging ihm unter die Haut und langsam begann Rheed, sich zu bewegen, zuerst wiegte er sich wieder nur ein wenig, doch dann schloß er die Augen und seine Bewegungen wurden ein klein wenig kraftvoller, auch wenn nur zu deutlich sichtbar war, daß er sich noch immer nicht völlig gehen ließ.

Durch halb geöffnete Augen beobachtete Leo den Jüngeren, dann tanzte er hinter ihn, legte seine Hände an dessen schmale Hüfte und zeigte ihm so ein wenig, wie man den Hüftschwung etwas feuriger machte. Dann ließ er los, kam vor ihn und tanzte ihn mit diesem Hüftschwung an.

Als er die Hände an den Hüften und den warmen Körper so nahe hinter sich fühlen konnte, schluckte Rheed schwer ... doch er öffnete die Augen erst, als Leonardo wieder vor ihn kam und schluckte erneut, ehe er langsam seine Hemmungen fallen ließ und sich ein wenig mehr entspannte. Er konnte keinerlei Spott in den herrlichen Katzenaugen des Brasilianers sehen und das gab ihm die innere Kraft, sich endlich ein wenig gehen zu lassen und zu entspannen. Es fiel Rheed sehr schwer, Anderen zu vertrauen, da er nur zu oft enttäuscht worden war – doch er faßte langsam Vertrauen zu dem ein wenig Älteren und lächelte schließlich zaghaft, ein Anblick, der bei ihm sehr selten war.

Ein Anblick, der das Lächeln des Brasilianers breiter werden ließ. Er war recht froh, daß der Junge sich jetzt mehr entspannte und er tanzte ihn weiter an und ließ nun langsam einige festgelegte Tanzschritte einfließen. "Jeah, so macht's doch Spaß ?" Dann tanzte er zurück und machte die Tanzschritte, die er ihm eben beigebracht hatte. Jetzt war Rheed locker und es würde ihm jetzt sicher auch leichter fallen.

Wie er es sich gedacht hatte, fiel es dem jungen Goldhaarigen jetzt ein wenig leichter ... er merkte, daß es eigentlich gar nicht so schwer war, wenn er sich ein wenig gehen ließ und so wurde er noch ein wenig lockerer und die Schritte klappten fast sofort auf Anhieb. Natürlich half die Tatsache, daß Leo wieder näherkam und bei ihm tanzte, sehr viel ... die herrlich entspannte Art des Brasilianers, der wie selbstverständlich den Rhytmus aufnahm und einfach tanzte, war für Rheed bewundernswert und er hoffte, daß er eines Tages ebenso unbeschwert und locker tanzen konnte.

Davon ahnte Leo nichts, er freute sich aber ehrlich, daß der Kleine sich entspannte und sein Talent langsam zeigte. Die Stunde ging noch eine Weile und bei dem, was Rheed jetzt schon zeigte, war Leonardo sicher, daß er am Ende richtig gut werden würde.

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Seither waren fast zwei Wochen vergangen, in denen Rheed jeden Abend Extrastunden bei dem ein wenig älteren Tanzlehrer bekam ... und sie zeigten sichtliche Früchte, da der junge Goldhaarige nicht nur aus sich herausging, sondern auch ein wenig ausgeglichener wurde, etwas, das auch seine Eltern mit Freude sahen. Daß es auch daran lag, daß Rheed es einfach auch genoß, in der Nähe Leonardos zu sein, wußten sie jedoch nicht ... und auch nicht, daß er sich langsam in den Brasilianer verliebte sich, auch körperlich von ihm angezogen fühlte und langsam nicht mehr wußte, wie er dies noch vor ihm verbergen konnte. Und so ging er auch diesen Abend zu seiner Tanzstunde ... es war die Letzte, da sie Morgen wie auch die anderen Gäste abfahren würden und Rheed seufzte leise, da er nicht wußte, was er nun tun sollte. Beschäftigt von diesen Gedanken, achtete er eigentlich gar nicht mehr auf den Weg; er kannte ihn schon blind und so war er schneller, als er es eigentlich gewollt oder gedacht hatte, in dem Bungalow und vor ihm stand Leonardo schon neben dem Plattenspieler, um ihnen Musik für ihre letzte Unterrichtsstunde aufzulegen.

Der drehte sich überrascht um, denn Rheed war wirklich etwas zu früh. "Ach, schon so früh ? Fein, dann können wir ja gleich loslegen. Heute ist ja die letzte Stunde, da tanzen wir den Merenge einmal komplett durch, Okay ?"

"Okay ... und ja, wir fahren Morgen auch." Das innerliche 'Leider ...' ließ Rheed lieber weg, als er näherkam und ein leises Lächeln auf seinen Lippen erwachte, als die Musik zu spielen begann. Er liebte diesen Tanz ... und alleine schon das Gefühl, so nah mit Leo zu tanzen, war einfach herrlich. Eigentlich konnte es nur kaum etwas geben, das schöner war ... und das Tanzen konnte er zumindest ohne irgendwelche Konsequenzen auskosten.

Und wie schon öfter, stieg Leo sofort in die Rolle, lächelte erst kurz und wurde dann ernst, als er auf Rheed zuschritt, ihm ernster in die Augen blickte und dann anfing, ihn in den Tanz zu ziehen. Der Kleinere war inzwischen sehr, sehr gut geworden und Heute war das letzte Mal, daß sie zusammen tanzten. Es war wirklich schade, daß Rheed noch so jung war, sonst wäre sicher etwas mehr passiert, als nur das hier.

Etwas, das sich der junge Goldhaarige schon seit einer ziemlichen Weile wünschte. Er genoß diese Art zu tanzen und er genoß es auch, daß sich Leonardo in diesen Zusatzstunden nur um ihn kümmerte und nur Augen für ihn hatte. Es tröstete ihn darüber hinweg, daß der Ältere nichts von ihm wollte und gerade an diesem letzten Abend schmerzte es besonders stark, so daß er noch ein wenig näher als sonst kam und einen Moment erstarrte, als ihre Lenden sich durch die Tanzschritte berührten. Es war verboten erotisch ... und Rheed konnte nicht aufhören, auch wenn das Blut dunkel in seine Wangen schoß und er ungewohnt verlegen den Blick dabei senkte.

"Kuck mich an." wisperte Leonardo, wenn sie den Tanz jetzt schon durchtanzten, dann auch richtig, und dazu gehörte der Blickkontakt. "Warum schämst du dich plötzlich ?" raunte er an dessen Ohr, während er seine Lenden fast schon an der Hüfte des Kleineren rieb.

"Weil ..." Zu mehr kam Rheed nicht, denn er fühlte den Atem des Größeren und erschauerte am ganzen Leib, während er sich bemühte, flach zu atmen und sich wieder zu beruhigen, damit er auf- und ihm in die Augen sehen konnte. Doch als er es tat, wußte Rheed, daß es ein Fehler gewesen war - und ein weiteres Mal blieb ihm der Satz nach einem leisen "Weil ..." im Halse stecken, während seine sonst so harten, schmalen Augen sich weiteten.

In dem Moment wusste Leo, was los war. Die Augen des Jüngeren wurden sanfter und er hatte noch immer den dunklen Schatten auf den Wangen. Leo zögerte kaum, er neigte sich vor, hob das Kinn von Rheed noch etwas an und küsste ihn heiß und leidenschaftlich. Als der Junge wieder Atem brauchte, löste er den Kuss und wisperte ein leises "Mehr geht nicht, ich merke, was du empfindest, aber es geht nicht, du bist einfach zu jung." Er meinte es wirklich nicht böse und das sah man ihm auch an.

Es dauerte ein paar Herzschläge, bis diese Worte auch zu Rheed durchsickerten, da er noch immer von dem herrlichen Kuß gefangen war. Noch nie in seinem Leben hatte er etwas empfunden, das so wunderschön war – doch dieses Glücksgefühl wurde so jäh von den Worten Leos hinweggefegt, daß es den Goldhaarigen wie ein Schlag ins Gesicht traf. Seine Augen verhärteten sich ebenso wie sein Gesicht innerhalb eines Atemzuges und er trat einen Schritt zurück – die Wut, die bisher nie richtig an die Oberfläche gekommen war, brach ungehindert heraus und er fletschte die Zähne, schlug dem Älteren die Rechte an das Kinn und verfluchte ihn, als er sich umdrehte und aus dem Bungalow lief. Rheed achtete nicht mehr darauf, wohin seine langen Beine ihn eigentlich trugen – er wollte nur weg, irgendwo hin, wo er alleine war, und ungesehen von Anderen diese Schmach zu vergessen, die er fühlte. Was konnte er dafür, daß er so jung war ... und daß sein Körper einfach nicht wachsen wollte ? Daß der Wind seine tränenfeuchten Wangen kühlte, bemerkte Rheed gar nicht, als er sich im nahen Wald unter einen umgestürzten Baum hockte und die geballten Fäuste in den weichen Erdboden schlug. Er wollte nur den Schmerz in seinem Inneren durch einen anderen ersetzen, auch wenn er wußte, daß er nicht mit blutigen Händen heimkommen konnte, ohne noch mehr Ärger mit seinen Eltern zu bekommen.

Wie Rheed weglief, bekam Leonardo so gut wie gar nicht mit. Der Schlag hatte ihn ganz unvorbereitet getroffen und er war nach hinten getaumelt und gegen die Wand gefallen, an der er auch gleich herabgerutscht war. Es dauerte einen Moment, bis die Sterne, die er sah, verschwunden waren und er berührte leise fluchend sein pochendes Kinn. "Verdammter Bengel, ich meinte es doch nur gut." wisperte er und zischte leise, als er zu fest gegen das Kinn kam. Er hatte Rheed wirklich ins Herz geschlossen, aber es hätte einen Skandal gegeben, wenn es rausgekommen wäre und Morgen war er eh weg. Aber der Kleine würde schon drüber wegkommen, er war jung und würde wieder Jemand finden, in den er sich verlieben konnte.

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